Spiraldynamik
Ein Aufsatz über eine sehr empfehlenswerte Fortbildung
Autor: ©
Stefanie Hartmann, Essen

Spiraldynamik, eine sehr empfehlenswerte Fortbildung.
Nach einem Einführungskurs war für mich klar, weiter zu lernen, zu forschen und Zusammenhänge rational zu erfassen, die bis dato „irgendwie“ gewusst, aber nicht konkret von mir benannt werden konnten. Die Klarheit in der Eigenerfahrung und die logische, anatomisch gut nachzuvollziehende Theorie überzeugten mich total.
Der Einführungskurs ließ mich eine Kompetenz „schmecken“, die Sicherheit versprach im unterrichten aller Gruppen, egal ob Kinder oder Erwachsene.

Die Erfahrung des „Sehen- Könnens“, ist es ein aufgerichtetes Becken oder nicht, wie arbeite ich mit dieser Kundin weiter, wo liegt der Schlüssel versteckt und welches Zauberwort lässt aufhorchen, wach werden um Veränderung zu initiieren? Sicherheit in der Beweisführung, nach, zugegeben, großem Widerstand erneut Anatomie zu pauken. Ich war und bin froh über meine wachsende Kompetenz als „Bewegungsfachfrau“ und genieße meine Souveränität, „Know How“ nach Jahren des Suchens an der richtigen Stelle.

 

Hier also meine Beschreibung der Spiraldynamik:
Ich will beginnen mit Wortwurzelarbeit.

Das Wort Spirale kommt aus dem altgriechischen und bedeutet:
Spi´ra – Windung, Gewinde, gewundener Faden, Geflecht
Im altgr. Gebrauch: Tau, Seil, Strick, Schnur
Lateinische Wurzeln: Sporta - Korb Spira - gewundene Linie, in schneckenlinie gewundener Körper
Vielleicht auch vom altgr. Verb: säen, ausstreuen, er/zeugen

Das Wort „Dynamik“ kommt auch aus dem Griechischen und wird in der Physik gebraucht, als ein Bild für die Lehre von der Bewegung der Körper unter dem Einfuß von Kräften. Auch die Musik kennt „Dynamik“ und definiert sie als die Kunst der Veränderung der Ton- und Klangstärke, ein in verschiedener Weise angewendetes Ausdrucksmittel
Dynamisch: innere Kraft besitzend, lebendig wirksam.

Spiraldynamik, von mir jetzt spontan definiert, ist eine sich aufbauende Kraft im Zusammenspiel von Knochen und Muskeln, die Schwerkraft nutzend, wachsend, sich windend. Wie ein roter Faden sich windend durch den ganzen Körper organisieren sich aufbauende Strukturen, von Fuß bis Kopf, um im Stand und in der Fortbewegung stabil und gut koordiniert zu sein. Die Spiraldynamik geht davon aus, dass die Entwicklung des menschlichen Körpers, im speziellen der Bewegungsapparat, sich im Laufe der Evolution den Anforderungen der Aufrichtung dem Schwerefeld der Erde optimal angepasst hat. Eine Vielzahl anatomischer Details weisen darauf hin, dass der Anordnung von Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln übergeordnete Prinzipien zu Grunde liegen.

Schauen wir uns selbst an und versuchen spiraldynamisch zu sehen: Die Verbindung von Ellebogengelenk und Handgelenk. Suchen wir am ausgestreckten, rechten Arm, mit der Handinnenfläche Richtung Boden, die Verbindungslinie vom Ellebogengelenk rechts außen, zum Handgelenk. Wir finden keine gerade Linie zum Handgelenk, sondern eine leicht nach Innen, zum Handgelenk hin, weisende Drehung. Setzen wir jetzt imaginär zwei Pole auf den unteren Arm, je einen auf Hand und Ellebogengelenk, und drehen die Handinnenfläche im Wechsel zum Himmel und zur Erde, was passiert? Es zeigt sich eine gewundene Linie zwischen den beiden Polen. Zwei Pole, die Bewegung dazwischen und die genaue Richtung der Bewegung lassen koordiniertes Bewegen entstehen. Entscheidend ist auch das Volumen, welches sich zwischen den Polen befindet. Damit sind wir bei einem weiteren Zauberwort der Spiraldynamik angekommen: Dreidimensionalität. Erst bleiben wir aber noch beim Unterarm und ich gebe zu der einfachen Drehbewegung der Hand ein paar Fragen: Wenn das Handgelenk nach innen dreht, tut es dann der Ellebogen auch? Was dreht in welche Richtung? Wo findet Rotation statt? Wie „mache“ ich das eigentlich insgesamt, mit allen Aktivitäten die dazu gehören? Damit sind wir bei einem weiteren, wichtigen Aspekt der Spiraldynamik angekommen, der Translation. Bedeutung: Fortschreitende, gradlinige Bewegung von Körpern. Gegensatz: Rotation – Drehung Rotationsflächen: gekrümmte Flächen, die durch Drehung von ebenen Kurven um eine Achse entstehen.

Jetzt also noch mal zu den beiden Polen und der Bewegung dazwischen. Nehmen wir die lange Wirbelsäule mit den Polen Kopf und Becken. Was ist in der Bewegung der Wirbelsäule Translation und wo entsteht Rotation, während wir an der Straße stehend nach links und rechts schauen, ob ein Auto kommt? Ohne die Rotation der Gelenkflächen unserer einzelnen Wirbelkörper kommen wir nicht in eine fortschreitende Bewegung vom Becken hinauf zum Kopf oder umgekehrt. Dreht der gesamte Körper kompakt mit, wenn wir den Kopf drehen? Stauchen wir den Hals und ziehen die Schultern hoch? Oder dreht tatsächlich nur der Kopf? Hat die Wirbelsäule und das Becken damit zu tun oder sollte damit zu tun haben? Fragen über Fragen sobald wir uns anschauen mit der Frage :“Wie mache ich das eigentlich?“ Bezogen auf die Aktivität des Hin und Herschauens, ist die Lösung der Spiraldynamiker die Dehnspannung zwischen den Polen Becken und Kopf, die Rotation unter eben diesem Zug und die dreidimensionale Bewegung in allen beteiligten Gelenken. Becken Pol und Kopf Pol.

Richten sich dabei in entgegengesetzte Richtungen aus...... Bezogen auf unsere Bewegung im Alltag, im Sport und Fitnessbereich, im beruflichen Alltag... ist die Dreidimensionalität von Bewegung sozusagen der Schlüssel zum „ persönlichen Strukturwandel“. Eine der Hauptschwierigkeiten ist dabei, sich im Inneren des eigenen Körpers zurechtzufinden, zu wissen, was ich tue. Wir schulen also unser Auge, um einen Bewegungsablauf zu beobachten (Techniksehen) Wir sollten wissen, wie sich der Mensch während einer Bewegung organisiert (Anatomiesehen). Wir schaffen eine Blickdiagnose, die, uns begleitend, das verlorene Gefühl des Körpers für z.B. entgegengesetzte Bewegungsrichtungen schenkt. Zurück zum Beispiel der Wirbelsäule: Bewegen sich Kopf und Becken in die gleiche Richtung, so entsteht eine gestauchte, beinahe gedrückte Situation in der Wirbelsäule. Mit der Dehnspannung und einem aufgerichteten Becken, (hintere Darmbeinstachel gehen mit der Aktivität aus dem Beckenboden nach hinten, unten) dem Kopf auf einem „langen“ Hals (Warzenfortsätze hinter den Ohren gehen nach hinten oben) gibt es einen leisen Zug durch die gesamte Wirbelsäule und eine spiralige Verschraubung in der Aufrichtung, während wir schauen, ob wir lebend über die Straße kommen. Der Kopf geht nicht allein nach links oder rechts, sondern wird aus der Brustwirbelsäule durch Rotation unterstützt.

So verschraubt sich der Rumpf wie ein hin und herschwingendes Pendel , wechselweise, je nach Bewegungsbedarf. All diese kurz und knapp gehaltenen Informationen meinerseits, ließen mich in die Grundausbildung einsteigen, um sicherer zu werden im Unterrichten von Gruppen und der individuellen Begleitung meiner „Schützlinge“. Der große Anteil an Eigenerfahrung und eigener „Arbeit“ an und mit mir selbst, überzeugen mich in hohem Maße von dieser Arbeit. Partnerarbeit, eine Übung wirklich zu mir nehmen, bevor ich sie überhaupt verstehe, oder auch manchmal nur einen Funken von Idee erhasche. Integrieren in mein eigenes Muster kann ich nur über ein „Verstehen“ auf allen Ebenen. Anatomische Kenntnisse werden aufgearbeitet und so manche Hausaufgabe will gemacht werden..... Ich freue mich weiterzuforschen und zu verstehen.

 

 
Raum für Bewegung